Stephan Opel, Geschäftsführer NG.network, betont die Relevanz von Führung und Unternehmenskultur: „Der hohe ökonomische und ökologische Druck wirkt wie ein Innovationsmotor und wir sehen deutlich, dass die Logistik in den letzten Jahren entscheidende Zwischenziele in den Bereichen Digitalisierung und Nachhaltigkeit erreicht hat. Hinsichtlich des Fachkräftemangels zeichnet sich hingegen keine Verbesserung ab. Künstliche Intelligenz kann, sinnvoll angewendet, für Entlastung sorgen. Doch HR-Verantwortliche und Führungskräfte sind in diesem Zusammenhang genauso gefragt wie die IT-Spezialisten.“
Fortschritte bei der Digitalisierung, KI noch nicht verankert
An der Umfrage im Rahmen des NG.network Stückgutreport 2026 beteiligten sich 79 Personen aus der Logistik beziehungsweise dem logistiknahen Umfeld. Teilnehmende beantworteten Fragen zu Maßnahmen, Umsetzungsstatus und Plänen zu ihren selbstgewählten Schwerpunktthemen.
Die Ergebnisse belegen, dass die Digitalisierung in der (Stückgut-)Logistik deutlich vorangeschritten ist. Vor allem administrative und buchhalterische Tätigkeiten wurden von den Unternehmen digitalisiert. Perspektivisch liegt der Fokus nun auf der Automatisierung von Prozessen und der Implementierung von KI. Wichtig ist der verantwortungsvolle Einsatz der technologischen Möglichkeiten, nicht nur zur Effizienz- und Profitmaximierung, sondern auch zum Wohle der Mitarbeitenden. Gastautor:innen Prof. Dr. Julia Hansch und Prof. Dr. Andreas Stenger von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg erkennen hier ein „durchgängiges Muster“: „Ob KI zum sozialen Fortschritt oder zum Belastungstreiber wird, entscheidet nicht die Technik, sondern die Strategie und Kultur des Unternehmens.“
Alternative Antriebe, Kosten und Infrastruktur
Die Umfrage deutet zudem auf entscheidende Spannungsfelder sowie Überschneidungen zwischen Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit hin. Maßnahmen zur Emissionsreduktion werden nicht nur nach ihrer ökologischen Wirkung, sondern auch nach ihren ökonomischen Effekten beurteilt. Das bestätigt auch Gastautor Simon C. Brück, Leiter des Bereichs Umwelt, Klima- und Energiepolitik beim DSLV Bundesverband Spedition und Logistik: Hohe Strompreise und eine fehlende staatliche Förderung können laut ihm die Elektrifizierung des Straßentransports in Deutschland ausbremsen. Die Herausforderung Infrastruktur bleibt ungeachtet der alternativen Antriebstechnologie bestehen: Thilo Meutzner, Managing Director der Rhenus Freight Logistics GmbH & Co. KG, zieht ein positives Fazit aus dem Praxistest mit einem Wasserstoff-Lkw, resümiert jedoch: „Für einen breiteren Markthochlauf wird vor allem der Ausbau einer flächendeckenden Wasserstoffinfrastruktur entscheidend sein.“
Im Kontext der Nachhaltigkeit sieht Dr. Jens Oldenburg, Geschäftsführer der Stiftung Initiative Mehrweg (SIM), einen besonderen Impuls für die Stückgutlogistik: die PPWR. Diese europäische Verordnung macht nachhaltige Mehrwegverpackungen auch innerhalb vieler Transportbeziehungen verpflichtend und könnte aus Stückgutnetzwerken zentrale Akteure der europäischen Mehrweginfrastruktur machen.
Praxisbeispiele für eine zukunftsfähige Stückgutlogistik
Darüber hinaus umfasst der NG.network Stückgutreport 2026 auch Beiträge über konkrete Lösungsansätze. Geschäftsführer Stephan Opel erklärt, wie NG.network durch Mengenprognosen und Netzwerksimulationen das digitale Fundament für die geplante Umstellung auf Gateway-Verkehre schafft und so antifragiler wird. Roland Brune, Senior Manager Operational Excellence (OPEX) bei der Friedrich Zufall GmbH & Co. KG, beschreibt, wie ein Copilot-Prompt den Carrier Compliance Check sicherer und schneller macht. Dr. Philipp Hüning, Co-Founder und CEO von Loopario (vormals Logistikbude), erläutert, welche Vorteile das „Splitwise“-Prinzip beim Ladungsträgermanagement entfaltet.